Mit 100 Gästen feierten wir am 18. September Premiere! Der Abend wie unser Projekt stand im Zeichen des Fahrrads und der Frage: Welche Hürden begegnen Migrant:innen im Alltag?
Das Open-Air-Kino war fast aufgebaut, als dutzende bunte Radfahrer:innen mit Musik eintrafen und für großartige Stimmung sorgten. Die Critical Mass war da – und unsere Filmpremiere ihr Ziel. Doch bevor es „Film ab“ hieß, stellten wir unser Forschungsprojekt vor: EMCY – Enabling Migrants to Cycle.
Der Aufbau des Open-Air-Kinos war schon fast fertig, als dutzende bunte Radfahrer:innen mit Musik aufkreuzten und eine tolle Stimmung verbreiteten. Die Critical Mass war angekommen. Heute hatte sie unsere Filmpremiere als Schlusspunkt. Doch bevor es hieß „Film ab“, stellten wir unser Forschungsprojekt vor: EMCY – Enabling Migrants to Cycle. Wir untersuchten eine oft vernachlässigte Gruppe: Menschen mit Migrationshintergrund und fokussierten auf Radfahen im Alltag. Wir, das sind stape e.U. URBAN CONSULTING, TU Wien, Universität Wien und klarFAKT e.U. gefördert durch Talente Regional des BMIMI – Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur.
Wie erreichten wir Migrant:innen?
Unser Forschungsdesign setzte auf eine Befragung auf Augenhöhe, da klassische Umfragen Migrant:innen oft nicht erreichen. Wir suchten Deutschkurse und Volksschulen auf, veranstalteten Radfahrkurse sowie Reparaturworkshops, um direkt mit den Menschen in Kontakt zu kommen. Die Zusammenarbeit mit unseren Kooperationspartner:innen – darunter Diakonie Zinnergasse, Verein Piramidops/Frauentreff, Verein Projekt Integrationshaus, Peregrina, Fremde werden Freunde, you-are-welcome / PIR, Volksschule Braunhubergasse, Volksschule Molitorgasse und Volksschule Münichplatz war dabei ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Wir übersetzten die Fragebögen in sieben Sprachen und illustrierten sie mit Bildern. Zwanzig vertiefende Einzelinterviews ließen uns Beweggründe und etwaige Ängste und Sorgen besser verstehen. All dies wurde filmisch begleitet und dokumentiert, und der resultierende Film heute präsentiert. „So, I (don’t) Cycle“.
Motivation Radzufahren ist hoch
Die Ergebnisse zeigen: Die Motivation, Rad zu fahren, ist besonders bei Frauen groß. 77 % der befragten Frauen und 62 % der Männer möchten künftig häufiger aufs Rad steigen. Doch praktische Hürden bremsen viele aus: 31 % besitzen kein Fahrrad, 25 % können schlecht oder gar nicht radfahren. Trotzdem erfüllen Migrant:innen bereits die Mobilitätsziele der Stadt Wien. Sie nutzen das Auto seltener als der Wiener Durchschnitt (20 % vs. 25 %) und sind häufiger zu Fuß (33 %) oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln (36 %) unterwegs. Das Fahrrad bleibt mit nur 8 % (im Vergleich zu 11 % im Wiener Schnitt) das Schlusslicht – hier liegt das größte ungenutzte Potenzial.
Was es braucht
Um dieses Potenzial auszuschöpfen, braucht es vor allem niederschwellige Radfahrkurse für Erwachsene – insbesonders für Frauen. Wichtige Voraussetzungen sind sichere Übungsräume und leicht verständliche Informationen zu Verkehrsregeln. Ebenso müssen Eltern gezielt unterstützt werden, damit die Mobilitätswende in den Familien ankommt. Allen Befragten ist eines wichtig: sichere Infrastruktur. Sie wünschen sich geschützte Radwege, sichere Rad-Abstellplätze und eine gerechtere Aufteilung des öffentlichen Raums.



Film ab
Dann begann der Film. Drei Zuschauer:innen traten in die Pedale, erzeugten den Strom und wechselten sich den Abend über mit anderen ab. Die Zusammenarbeit mit dem Cycle Cinema Club bot den perfekten Rahmen für die Filmpremiere.
»So, I (don’t) cycle« machte in den nächsten 15 Minuten das gesamte Forschungsprojekt sichtbar. Der Film zeigt die Perspektiven neuer Wiener:innen. Diese Menschen kennen die Stadt noch nicht gut und versuchen trotzdem, hier Rad zu fahren. Er zeigt, welchen Herausforderungen sie begegnen und wie sie diese überwinden könn(t)en.
Schön, gefragt zu werden
Im Anschluss kamen drei Protaginist:innen aus dem Film auf der Bühne zu Wort. Ayshe, Bing und Mohammad, vertreten durch seinen Sohn, erzählten von ihren Erfahrungen. Für alle drei war es etwas Besonderes, mitzumachen, nach ihrer Meinung gefragt zu werden, die Möglichkeit zu bekommen, sich frei zu äußern und aus ihrem Leben zu erzählen, und Fortschritte beim Radfahren zu machen. Bing fährt nun täglich mit dem Fahrrad zur Arbeit. Ayshe würde gern mehr fahren, braucht aber noch Übung. Für Mohammad bedeutet das Radfahren in Wien ein Stück Integration: Auf dem Fahrrad fühlt er sich als Teil der Gesellschaft.
Die Filmemacherin Helen Vaaks sah die größte Herausforderung in der Vielfalt der Menschen, der Situationen, Sprachen, Hürden, die festzuhalten waren. Besonders wichtig ist es ihr, dass Radfahren für alle zugänglich sein soll, egal woher jemand kommt oder welches Geschlecht er/sie hat.
Im Anschluss an das Gespräch mit der Filmemacherin und den Protagonist:innen zeigten wir elf weitere Kurzfilme zum Thema Radfahren aus aller Welt, teils informativ, zum Staunen oder ganz einfach lustig.
Weitere Filmscreenings
Das Projekt EMCY ist abgeschlossen, doch für den Film ist es der Anfang. Weitere Vorführungen sind schon geplant!
Wer den Film gern zeigen möchte, einfach melden bei stape e.U. URBAN CONSULTING. Wir stellen ihn kostenfrei zur Verfügung.
Für die gelungene Filmpremieren möchten wir uns ganz herzlich bei allen, die dieses Projekt, diesen Film, und die tolle Fimpremiere ermöglicht haben: Dem Cycle Cinema Club, dem Grätzlmixer, der CriticalMass und allen Besucher:innen.

Autorin: Elisabeth Kampel, Fotos: Maximilian Rosenberger
Dieses Projekt wird aus Mitteln der FFG gefördert. www.ffg.at

Weitere Beiträge zum Projekt:
- Integration auf zwei Rädern – August 2026
- Auf zwei Rädern – August 2025
- Beruf Radmechanikerin – Juli 2025
- Radfahren, Gender und Migration – Juni 2025
- Umfeld: Mobilität – Mai 2025
- Umfeld: Migration – Jänner 2025
- EMCY Projektauftakt – September 2024